Was haben mich diese Stühle Nerven gekostet! Nein, es geht nicht immer alles glatt. Manchmal geht ein Plan einfach nicht auf und die Vorstellung im Kopf lässt sich nicht so umsetzen, wie man es sich wünscht. Doch lest selbst.

Eigentlich sind es einfache Holzstühle, auf denen man erstaunlich bequem sitzt. Das war für mich Grund genug, sie neu zu gestalten. Zunächst wurden sie gründlich gereinigt und die alte Farbe weitgehend abgeschliffen. Weil die Stühle in ihrer Form eher zurückhaltend sind, schien mir eine fröhliche, auffällige Gestaltung genau das Richtige.

Ich hatte dafür bereits ein Decoupagepapier gefunden, das ich auf Sitzfläche und Lehne aufbringen wollte. Nachdem die Flächen vorbereitet und versiegelt waren, schnitt ich das Papier sorgfältig zu und leimte es auf. Das ist für mich jedes Mal ein aufregender Moment. Vorher weiß ich nie, ob alles glattgeht oder ob sich Falten bilden und ich wieder von vorn anfangen muss. Zum Glück klappte diesmal alles – und das Ergebnis gefiel mir auf Anhieb.


Nun blieb nur noch die Frage: Welche Farbe sollte das Gestell bekommen?

Es gab da einen Blauton, der in der Farbdose genau richtig wirkte. Also strich ich den ersten Stuhl. Schon nach den ersten Pinselstrichen dachte ich nur: „Autsch!“ – was für ein quietschiger Ton! Trotzdem machte ich weiter und lackierte auch die beiden anderen Stühle. Später fragte mich meine Tochter ganz trocken, warum ich nicht erst einen Stuhl fertiggestellt hätte. Tja … diese durchaus berechtigte Frage wusste ich nicht zu beantworten.

So standen jedenfalls drei schlumpfblaue Stühle in der Werkelei und ich merkte schnell: Das halte ich nicht aus. Dieser Ton hätte wunderbar als kleines Detail oder farblicher Akzent funktioniert, aber als Hauptfarbe war seine Wirkung viel zu kräftig.
Das Decoupagepapier ist opulent. Es hat Gold, warme Orange-, Kupfer-, Rot- und Burgundertöne, dazu dunkle Bereiche mit Petrol, Grün und etwas Türkis. Es wirkt fast orientalisch oder wie ein leuchtendes Mandala. Die Sitzfläche ist eindeutig der Blickfang.

Das leuchtende Blau hingegen war rein und kühl. Es erinnerte stark an lackiertes Kinderspielzeug. Ich glaube, das Problem war gar nicht der Farbton an sich, sondern seine Reinheit. Er war einfach zu „sauber“, während das Papier von Tiefe und seinen vielen Zwischentönen lebt.
Beim zweiten Anlauf versuchte ich deshalb nicht mehr, eine Farbe aus dem Papier zu treffen. Stattdessen überlegte ich, welche Farbe das Papier „tragen“ würde. Doch auch das ging in die Hose. Obwohl ich ein dunkles Mitternachtsblau wählte und über das Schlumpfblau tupfte, war es nicht dunkel genug. Nach zwei Tagen fand ich das Ergebnis fleckig und unruhig. Und wieder entsprach es überhaupt nicht dem Bild, das ich im Kopf hatte.



Schließlich beschloss ich, meinen ursprünglichen Plan loszulassen. Ich mischte einen ruhigen, gedeckten Blauton und brach anschließend die Kanten etwas, damit das Ganze lebendiger wirkt. Und das gefiel mir dann gut.



Zum Schluss wurde alles mit Klarlack versiegelt – und dann waren die drei endlich fertig.
Vielleicht ist genau das der Reiz am Möbelupcycling: Man hat zwar einen Plan, aber das Möbelstück am Ende oft seinen eigenen Kopf. Gerade diese Projekte kosten zwar die meisten Nerven, lehren mich aber auch am meisten.
Und eines habe ich aus diesem Projekt ganz sicher gelernt: Beim nächsten Mal streiche ich erst einen Stuhl fertig! (PS: Gruß an meine Tochter)
Die Farbkrise überwunden, sind sie bereit für ein neues Zuhause. Bei Interesse bitte melden!