Aus der Schublade ins Ohr: Eine Begegnung mit Michaela Brenner

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Über viele Wochen hinweg sprach ich in den Abendstunden das Buch „Kyra – Die letzte Guardian“ von Michaela Brenner ein. Irgendwann wollte ich mehr über die Autorin erfahren, die diese Geschichte geschrieben hatte.

Vom Hörbuch zur Autorin

Da mich die Autorin des Buches interessierte, wollte ich gerne einen Beitrag für meinen Blog über sie schreiben. Als ich ihr dafür 20 Fragen für ein Autorenprofil schickte, erwartete ich Antworten über Schreibroutinen, Plotplanung und die Entstehung ihrer Fantasywelt. Stattdessen lernte ich eine Frau kennen, die Geschichten wachsen lässt, wenig Wert auf Inszenierung legt und entspannt damit umgeht, nicht immer alle Antworten zu kennen.

Manche Geschichten entstehen in wenigen Monaten. Andere begleiten ihre Autorinnen fast ein ganzes Leben lang. Bei Michaela begann alles bereits in jungen Jahren. Als Elfjährige schrieb sie ihre erste Geschichte – ein Abenteuer über Freundschaft, Reisen und die erste Liebe. Damals ahnte sie vermutlich nicht, dass sie viele Jahre später ihre eigene Urban-Fantasy-Welt erschaffen würde.

Der lange Weg der „Kyra“

Bemerkenswert ist dabei nicht nur das Ergebnis, sondern der Weg dorthin. Die Idee für ihren ersten Roman entstand bereits in den 1990er-Jahren. Doch wie so oft im Leben verlief nicht alles geradlinig. Lange lag das Manuskript in der Schublade. Bis schließlich während eines Kurses andere Teilnehmer erstmals Auszüge aus ihrem Roman lasen. Die positive Resonanz gab ihr den Anstoß, das Projekt weiterzuverfolgen. Von da an entwickelte sich das Manuskript über viele Jahre weiter, Figuren veränderten sich, Handlungsstränge wurden neu gedacht und die Geschichte gewann mit der Zeit an Tiefe. 2018 endlich schrieb sie ihr Buch fertig.

Kyra war ursprünglich als Jugendroman gedacht, doch heute ist die Autorin der Meinung, dass Kyra keine Altersgrenze hat.

Jeder, der gerne Urban Fantasy liest, ist die Zielgruppe.

Urban Fantasy beschreibt Magie im echten Leben bzw. in der echten Welt und nicht in einer Fantasywelt. Dieser Ansatz macht ihre Geschichten aus: Das Fantastische existiert nicht in einer völlig fremden Welt, sondern findet seinen Platz mitten in der Wirklichkeit.

Klicke auf das Cover für einen Höreindruck.

Irland – ein Sehnsuchtsort

Die Handlung ihres Romans ist in Irland angesiedelt. Obwohl die Autorin selbst noch nie dort gewesen ist, übt das Land seit vielen Jahren eine große Faszination auf sie aus. Die irische Mythologie, geheimnisvolle Landschaften und die besondere Atmosphäre der grünen Insel flossen in ihre Bücher ein. Während des Schreibens begleitet sie häufig irische Musik, deren Flötenklänge für sie eng mit ihren Geschichten verbunden sind.

Am Ende ist es ihr wichtig, ein bestimmtes Gefühl zu hinterlassen. Wenn Leserinnen und Leser das Buch zuklappen, sollen sie etwas Magisches mitnehmen: Wärme, Hoffnung und die Freude darüber, Zeit in einer besonderen Welt verbracht zu haben. Vielleicht sogar mit dem kleinen Wunsch, noch ein wenig länger dort bleiben zu können.

Einzelroman mit Fortsetzung

Nachdem Kyra 2020 veröffentlicht wurde, gibt es inzwischen bereits eine Kyra II. Auf meine Frage, ob sie eine Buchreihe plane, antwortete Michaela:

Ich plane prinzipiell nichts.

Kyra war als Einzelroman geschrieben worden. Michaela Brenner scheint eine Autorin zu sein, die stark auf die Resonanz ihrer Leser reagiert. Dass aus dem Einzelroman schließlich eine Fortsetzung wurde, lag weniger an langfristiger Planung als an dem Wunsch ihrer Leser, mehr Zeit mit ihren Figuren zu verbringen. Und so schrieb sie. Im Moment hat Michaela sogar eine Idee für einen weiteren Band. Doch ob sie ihn schreiben wird? Sie ist hin- und hergerissen, weil ihr zwar Anfang und Ende leicht, der Mittelteil aber schwerer fällt. Außerdem liegen noch viele Ideen in der Schublade.

Hinter dem Schreibtisch

Spricht man mit der Autorin über ihren Schreibprozess, merkt man schnell, dass sie keine Autorin der großen Pläne ist. Sie arbeitet intuitiv. Die ersten Kapitel entstehen meist leicht, ebenso das Ende, das sie oft schon früh vor Augen hat. Dazwischen entwickelt sich die Geschichte Schritt für Schritt: Figuren gewinnen Eigenleben, Ideen entstehen während des Schreibens.

Als ich Michaelas Antworten las, fiel mir auf, dass vieles nicht vorkommt: keine ausgefeilten Schreibroutinen, keine Wortzielvorgaben, keine Morgenrituale, keine Schreibphilosophie, keine detaillierten Plot-Methoden, keine bewusst aufgebaute Autorenmarke.

Ich setze mich hin und lese die letzten Seiten und wenn ich eine grandiose Idee habe, dann fange ich einfach an zu schreiben. Wenn nicht, dann mach ich was anderes.

Zum Schreiben braucht Michaela nicht viel: Meist sitzt sie in ihrem Wohnzimmer und freut sich, wenn sie sich ungestört dem Fluss hingeben kann. Allerdings gibt es da den Wunsch, sich ein kleines Büro im oberen Stockwerk einzurichten.  Im Sommer liebt sie es, mit ihrem Laptop im Garten zu sitzen. Wenn sie entspannen möchte, schaut sie Serien oder streckt sich ganz bewusst irgendwo aus und tut – nichts.

Ohne großes Aufheben

Je länger ich über Michaelas Antworten nachdenke, desto mehr gewinne ich den Eindruck: Da ist jemand, der seinen Interessen folgt, ohne daraus eine große Sache zu machen. Betrachtet man Michaelas Lebensweg, fällt auf, wie oft sie bereit war, etwas Neues auszuprobieren. Die Arbeit als Kosmetikerin, Friseurin, Maskenbildnerin, Sekretärin und Webdesignerin sind nur einige ihrer beruflichen Stationen.

Mich hat im Interview beeindruckt, wie wenig Pathos in ihren Antworten steckt. Selbst die großen Dinge erzählt sie fast nebenbei. Sie hatte sich mit 15 Jahren ganz allein zu einem Gesangswettbewerb angemeldet, ohne, dass es jemand wusste.  Sie wollte nicht, dass man es ihr ausredete. Tatsächlich gewann sie den Wettbewerb. Ihrer Familie hatte sie Freikarten besorgt und sie vor vollendete Tatsachen gestellt. Und alle waren gekommen.

Auch ihre schriftstellerische Laufbahn passt dazu. Statt einen schnellen Erfolg anzustreben, ließ sie ihrer Geschichte die Zeit, die sie brauchte. Nicht die große Inszenierung scheint sie zu interessieren, sondern das Erzählen selbst.

Was bleibt

Während der Arbeit am Hörbuch habe ich viele Stunden mit Michaelas Geschichte verbracht. Durch ihre Antworten habe ich nun auch die Autorin dahinter ein wenig kennengelernt. Was mir in Erinnerung bleibt, ist weniger eine Methode oder eine Schreibphilosophie als eine Haltung: aufmerksam bleiben, Ideen folgen und Geschichten wachsen lassen.

So betrachtet überrascht es vielleicht gar nicht, dass ihre Bücher über viele Jahre entstehen dürfen. Manche Geschichten brauchen Zeit. Und manche Autorinnen offenbar auch.

Vielleicht erklärt das auch eine ihrer Antworten, die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist. Auf die Frage, was ihr Autorinnenherz höher schlagen lässt, nannte sie nicht etwa Auszeichnungen oder Verkaufszahlen. Es sind der erste Satz eines neuen Romans – und das kleine Wort „Ende“, wenn eine Geschichte schließlich erzählt ist.

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