50 Euro, viel Geduld und ein richtig schöner Weichholzschrank

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Gerade ist so ein bisschen der Wurm drin: Irgendwie sind meine Möbelprojekte im Moment besonders arbeitsintensiv. Heute möchte ich euch von einer Auftragsarbeit erzählen.

Da stand also dieser hohe, schmale Weichholzschrank auf einem Flohmarkt, als mich meine Tochter anrief und fragte: „Er soll 50 Euro kosten – soll ich ihn kaufen?“ In meinem Kopf entstand sofort ein Bild davon, wie er einmal aussehen könnte. Die schmalen Proportionen und die hübsche Bleiglasscheibe sprachen mich sofort an. Meine Antwort kam deshalb ohne Zögern: „Ja, unbedingt!!“

Also wurde der Schrank vom Flohmarkt nach Hause geschleppt und anschließend von Offenburg bis nach Leipzig transportiert. Eigentlich sollte es ein gemeinsames Projekt werden, denn die Besitzerin wollte lernen, wie man so einen Schrank aufarbeitet.

Ich legte aber schon einmal allein los – und merkte ziemlich schnell: Huuuh, das ist ein hartnäckiger Bursche!

Aus der Nähe sah der Schrank nämlich deutlich mitgenommener aus als zunächst gedacht. Er war ziemlich lavede, hatte ein Loch in der Seitenwand, war an verschiedenen Stellen geflickt und teilweise einfach irgendwie zusammengehauen worden, damit er überhaupt gerade stand.

1. Zerlegen

Zuerst nahm ich die Böden heraus, schraubte die Knäufchen und den Griff ab und entfernte das aufgeklebte Spiegelglas. Die kleine Bleiglasscheibe ließ sich glücklicherweise unversehrt herauslösen. Anschließend montierte ich die schadhaften Leisten ab.

2. Alten Lack entfernen

Dann wurde der alte Lack auf allen Teilen abgeföhnt. Das war bereits eine ziemlich mühsame Angelegenheit. Manchmal lässt sich der heiße Lack ganz wunderbar einfach wegschieben – das liebe ich! Hier dagegen ging nur die oberste Schicht ab, während die darunterliegende hartnäckig kleben blieb. Weil der Lack anfing zu verkohlen, musste ich die Temperatur reduzieren und deutlich länger arbeiten. Trotzdem war danach noch längst nicht alles entfernt.

3. Abbeizen

Also blieb mir nichts anderes übrig, als zusätzlich abzubeizen. Als das harzige Holz anschließend getrocknet war, zeigte sich wieder einmal dieser grünliche Schleier. Das bedeutete leider nur eins: noch ein weiterer Arbeitsgang.

4. Schleifen

Und so hieß es: alles noch einmal gründlich schleifen. Gerade das Schleifen entscheidet am Ende darüber, wie sauber die Oberfläche später wirkt.

5. Innenraum reinigen

Danach bekam der Innenraum eine gründliche Reinigung.

6. Reparieren und ergänzen

Die alten Einlegeböden waren mir nicht breit genug, deshalb wurden neue zugeschnitten. Außerdem wurde neue Leisten für oben und unten angefertigt. Und weil der Schrank künftig auf eigenen Füßen stehen sollte, bekam er auch noch passende Möbelfüße. So kann man später ganz bequem darunter sauber machen.

7. Die Gestaltung

Zum Schluss durfte der doch eher schlichte Schrank noch etwas Persönlichkeit bekommen. Die Schubladen wurden mit einem schönen Papier ausgekleidet und Füße, sowie Kopf- und Sockelleisten mit Schwarz abgesetzt. Die alten Knäufchen und der Türgriff gefielen mir dagegen richtig gut – deshalb durften sie bleiben und wurden wieder angeschraubt.

Während ich zwischendurch mehr als einmal geschimpft habe, bin ich jetzt sehr froh, dass wir uns auf diese Arbeit eingelassen haben.

Wir? Ja, denn immer, wenn mir die Geduld ausging, hat der Vater der Besitzerin mit angepackt. Vor allem beim Sägen und Anfertigen der neuen Teile war ich froh über seine Unterstützung. So ist aus diesem Möbelprojekt am Ende tatsächlich eine kleine Familienarbeit geworden. Und aus diesem ziemlich heruntergekommenen Schrank entstand ein charaktervolles Möbelstück. Ich hoffe sehr, dass die Besitzerin lange Freude daran haben wird.

Als ich damals am Telefon „Ja, unbedingt!“ gesagt habe, wusste ich noch nicht, wie viel Arbeit in diesem Schrank stecken würde. Aber heute würde ich wieder genauso antworten.

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