Was Möbel, Meer und Magie miteinander zu tun haben

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Manche Begegnungen entstehen ganz unspektakulär – und entwickeln dann plötzlich ihre eigene Dynamik. So war es auch mit Lily und mir. Was mit einem digitalen Kontakt begann, führte uns schnell zu gemeinsamen Themen: alte Möbel, das Sprechen von Büchern, das Reisen – und schließlich zu ihrer Fantasy-Reihe.

Wie Lily und ich in Kontakt kamen

Wie sind Lily und ich eigentlich in Kontakt gekommen?

Lily reagierte eines Tages auf meine Anfrage auf Social Media. Sie hatte Interesse an meinen Möbeln bzw. an der Möbelaufarbeitung, weil einige alte Möbel in ihrem Keller schlummerten. Beim Lesen auf meiner Website bemerkte sie, dass ich auch Bücher einspreche.

Es stellte sich heraus, dass sie Autorin ist und neben anderen Büchern auch die Reihe „Die Wächter von Sisong“ veröffentlicht hat. Gerade arbeitete sie am letzten, dem sechsten Band, den sie anlässlich der Buchmesse in Leipzig im März 2026 veröffentlichen wird. So entstand die Idee, zusammenzuarbeiten.

Schließlich gab es noch einen dritten Berührungspunkt: Lily ist eine Reise-Frau. Sie hat mehrere richtig große Reisen gemacht, sogar in die Antarktis.

Obwohl mich persönlich das Fantasy-Genre nicht so sehr interessiert, hatte ich trotzdem Lust, auf meinem Blog von ihrem neuen Buch zu erzählen – einfach, weil wir verschiedene Interessen gemeinsam hatten. Außerdem las ich, dass es bei ihr keine Vampire und Werwölfe gibt.

Und es gab noch ein viertes gemeinsames Interesse – doch dazu später.

Schreiben als persönlicher Weg

In den letzten zwei Jahren habe ich mich mit verschiedenen Autorinnen ausgetauscht. Viele finden im Laufe ihrer Biografie zum Schreiben und erleben es als einen Akt der Selbstermächtigung, der Verarbeitung und der Neuverortung. Es ist oft weniger ein spontaner kreativer Impuls als ein existenzieller Schritt.

Biografische Erfahrungen verschränken sich dabei mit gesellschaftlichen oder persönlichen Begrenzungen, die sie erfahren haben. Darin artikuliert sich der Wunsch nach Sinn sowie nach der eigenen Stimme und individuellem Ausdruck.

Lily erzählt auf ihrer Website, dass sie schon immer geschrieben hat, seit ihrer Kindheit. Auf meine Nachfrage antwortet sie Folgendes:

Ich schreibe seit ich 6 Jahre alt bin, und auch schon davor habe ich mir gern Geschichten ausgedacht. Die „Schuld“ dafür sehe ich bei meinem Großvater, den ich allmorgendlich bat, mir „die Geschichte von Kasperle und dem kleinen Krokodil“ zu erzählen. Irgendwann hatte er wohl die Nase voll und konterte mit „Nein, heute erzählst du mal.“

Damit fing ich an, die Geschichten, die mir im Kopf herumschwirrten, in Worte zu fassen, und bis heute habe ich nicht wieder damit aufgehört. Als Teenager habe ich mir die Wirklichkeit mit meinen Gedanken gern bunter gemalt, wenn sie mir zu eintönig erschien, als Studentin kritzelte ich das, was mich beschäftigte, im Versmaß an den Rand meiner Skripte.

Die Idee, ein Buch zu schreiben, spukte dabei schon lange in meinem Kopf herum. Aber erst der plötzliche Unfalltod eines nahen Verwandten und lieben Freundes brachte mich dazu, den Plan in die Tat umzusetzen, statt ihn auf die lange Bank zu schieben. Allerdings habe ich lange nur für mich und ein paar „Eingeweihte“ geschrieben, ohne daran zu denken, meine Bücher auch zu veröffentlichen. Dieser Schritt erfolgte erst 2013 mit meinem ersten „richtigen“ Buch „Staub von den Sternen“.

Frauen, die Verantwortung übernehmen

Mich interessieren Frauen, die ihren eigenen Weg gehen, die das tun, was sie wirklich tun wollen und nach Möglichkeiten suchen, wie es gehen kann.
Ist das irgendwie ein relevantes Thema für dich?

Das ist nicht nur irgendwie ein relevantes Thema für mich, sondern ein zentrales. In jedem meiner Bücher gibt es mindestens eine „Powerfrau“. Damit meine ich nicht jene weiblichen Wesen, die mit dem Kopf durch die Wand gehen und dabei manchmal das ganze Gebäude gleich mit einreißen, die einerseits rücksichtslos und andererseits unnahbar sind und sich ohnehin nie von irgendjemandem irgendetwas sagen lassen. So nicht.

Aber ich meine Frauen, die keine Angst vor Veränderungen oder davor haben, Verantwortung zu übernehmen. Frauen, die ihren eigenen Weg gehen, statt sich hinter dem breiten Rücken von wem auch immer zu verstecken. Frauen, für die mutig zu sein nicht bedeutet, keine Furcht zu zeigen, sondern diese Furcht zuzulassen und trotzdem voran zu gehen. Frauen, die Schwächen haben und sich Verbündete suchen, weil man gemeinsam stärker ist. Frauen, die leidenschaftlich lieben und Vertrauen haben, wohl wissend, dass das zu schmerzhaften Erfahrungen führen kann. Und Frauen, die trotz allem ihr Leben lieben und sich Neugier sowie Optimismus bewahrt haben.

Und ja – das hat mit mir und meiner Lebenseinstellung zu tun.

Der Abschluss der Reihe: „Rods Entscheidung“

Den Abschluss ihrer Reihe „Die Wächter von Sisong“ bildet nun das Buch „Rods Entscheidung“. Auch dazu habe ich Lily einige Fragen gestellt.

Für wen ist diese Buch geeignet?

Für Menschen über 30, die einerseits bereit sind, sich darauf einzulassen, dass es noch mehr auf dieser Welt gibt als das, was wir wahrnehmen und andererseits Verständnis dafür haben, dass sich die größten Abenteuer in unserem Inneren abspielen können.

Es ist der letzte Band der Reihe. Gab es einen Moment, in dem du dachtest: Jetzt weiß ich, wie die Reihe enden muss?

Ja, aber der war schon da, bevor ich überhaupt angefangen habe, den ersten Band zu schreiben. Ich hatte von vornherein geplant, sechs Bände zu schreiben*, und wusste von jedem Band, aber auch von der Reihe, wie er bzw. sie enden würde. „Begin with the end in mind“ ist einer meiner beiden Grundsätze beim Schreiben.
*Das kann ich sogar beweisen: Auf den Buchrücken der einzelnen Bände ist jeweils ein Buchstabe fett gedruckt. Auf Band 1 ist das ein S, auf Band 2 ein I, auf Band 3 wieder ein S – und spätestens dann war es für die aufmerksamen LeserInnen klar, dass daraus SISONG werden würde. Sechs Buchstaben, sechs Bände.


Hörprobe

Mit einem Klick auf das Bild kannst du in einen kleinen Auszug aus dem Buch hineinhören, den ich für Lily eingesprochen habe.


Gibt es einen Satz in diesem Buch, der für dich alles trägt – auch ohne Kontext?

Jeder Band hat eine zentrale Botschaft. Im sechsten Band ist es: „Wenn alle an einem Strang ziehen sollen, braucht es jemanden, der eine Richtung vorgibt.“ Das und die Konsequenzen, die sich daraus ergeben („jemand“ muss bereit sein, eine Richtung vorzugeben und damit die Verantwortung zu übernehmen; die anderen müssen bereit sein, diesem „jemand“ zu folgen etc.), bilden das Fundament der Geschichte.

Welches Gefühl sollte bei Lesern bleiben, wenn sie das Buch zuschlagen?

Das Gefühl, gut unterhalten worden zu sein, ein bisschen Wehmut, weil das Buch zu Ende ist, und ein kleiner Nachhall, der die Gedanken noch ein wenig festhält.

Was wünschst du dir, dass LeserInnen beachten oder bemerken?

Ich wünsche mir, dass sie sich auf die beschriebenen Persönlichkeiten, ihre Charaktere, ihre Lebensanschauung und Lebensweise einlassen und diesen Ansatz vielleicht sogar dazu nutzen, ihre eigene Welt einmal mit anderen Augen zu betrachten.

»Ich stelle euch meine gesamte Kraft zur Verfügung.«
 
Eine alte Liebe. Eine neue Aufgabe. Und eine tödliche Gefahr.
Ein längst besiegt geglaubter Feind bedroht die Hüterin Cat sowie die Wächter und zwingt sie, neue Wege zu gehen. Denn nicht nur sie sind in Gefahr. Sondern der ganze Planet Sisong.
Für Rod, den ältesten und erfahrensten Wächter, steht der Schutz der Hüterin an oberster Stelle – bis seine frühere Gefährtin Naila alte Wunden wieder aufreißt. Aber Naila gehört zu den Feinden der Hüterin.
Dramatische Ereignisse zwingen Rod, sich seiner Verantwortung zu stellen. Die Folge? Er wird stärker. Und verletzlicher. Sein Kampf gegen die Zeit und einen grausamen Gegner fordert alles von ihm. Doch wenn er versagt, ist das Schicksal von Sisong besiegelt.
Ein Fantasyroman über Machtkämpfe, Herausforderungen, inneres Wachstum und den Mut, eigene Wege zu gehen.
Authentische Charaktere, eine packende Handlung und eine spannungsgeladene Atmosphäre fesseln dich in „Rods Entscheidung“, dem sechsten und letzten Band der Reihe „Die Wächter von Sisong“. Lass dich mitreißen vom Kampf der Wächter und fiebere mit ihnen um die Existenz ihres Planeten. Dunkle Machenschaften, die Macht der sisonischen Drachen und Rods geheimste Gefühle erwarten dich

Was Lily zum Schreiben braucht

Was brauchst du, damit Schreiben für dich gut möglich ist?

In einem Wort zusammengefasst: Freiraum. Am allerbesten kann ich am (oder auf dem) Meer schreiben, wenn ich meinen Blick über das Wasser gleiten lassen kann, ohne dass er irgendwo hängen bleibt, und meiner Fantasie Flügel wachsen.
Wenn ich nicht am Meer sein kann, schreibe ich gern an meinem Schreibtisch mit Blick durchs Fenster über die Wetterau bis hin zum Vogelsberg, im Wintergarten oder auf der Terrasse.

Gibt es etwas, das du immer tust, bevor du mit dem Schreiben beginnst?

Frische Luft schnappen. Wenigstens kurz – und wenn’s auf Balkonien ist.

Was überrascht Menschen oft an dir, wenn sie dich näher kennenlernen?

Ich habe zwei „Anteile“: Als Susanne Kienzle-Horn bin ich Geschäftsfrau (inzwischen im Ruhestand), habe eine Firma gegründet, aufgebaut, mir einen passenden Geschäftspartner gesucht und diese Firma erfolgreich geführt. Als Lily Konrad schreibe ich Bücher, die nie wirklich Mainstream sind und nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit erfahren.
Menschen, die eine dieser beiden Seiten von mir kennenlernen, sind oft überrascht, dass es auch noch die zweite Seite gibt.

Gibt es eine Frage, die du gern gestellt bekommen würdest – und wie würdest du sie beantworten?

Die Frage würde in etwa so lauten: Was – außer Schreiben – ist deine liebste Beschäftigung?

Das Reisen, was aber eng mit meinem Schreiben verknüpft ist. Nicht nur, weil ich im Urlaub, in entspannter Atmosphäre und vorzugsweise am Meer, besonders gut schreiben kann, sondern auch, weil ich da einige Parallelen sehe: Das Reisen wie das Schreiben ist für mich ein Abtauchen in andere Welten, andere Kulturen, etwas Neues kennen sowie verstehen lernen und mit allen Sinnen genießen.

Und immer wieder beinhalten meine Reisen neue Inspirationen für meine Bücher. Bei meinem neuesten Buch kommt zum Beispiel ein Eisdrache vor, der kein Feuer, sondern eisige Luft speit. Die Idee dafür kam mir bei einer Reise in die Antarktis beim Betrachten eines Eisbergs, der in meinen Augen wie ein liegender Drache aussah.

Abschließend: Unsere gemeinsame Karl-May-Spur

Damit komme ich zurück zu der oben angedeuteten weiteren Gemeinsamkeit.

Lily schrieb irgendwo von „Karl May“, und ich fragte sie, ob sie ihn gelesen habe.

Lily:

Na, und ob! Ich habe die Welten geliebt, die Karl May erschaffen hat, und „Winnetou I“ habe ich mindestens zehn Mal gelesen. Ich bin übrigens davon überzeugt, dass Karl May, würde er heute leben, Fantasy schreiben würde.

Julia:
Ich selbst bin in Karl Mays Welten eingetaucht wie in eine parallele, für mich real existierende Welt. Ich weiß nicht, wie viele seiner Bücher ich gelesen habe und wie oft. Aber ich weiß, dass mein erster, mich tief erschütternder Verlust der von Winnetou war.

Ich wünsche viel Erfolg!

Manchmal entstehen Begegnungen über Umwege – über Möbel, über das Sprechen von Büchern oder über die Lust am Reisen. Und manchmal zeigt sich erst im Gespräch, wie viele gedankliche Verbindungen es eigentlich gibt.

Ich bin gespannt auf den Abschluss von Lilys Reihe und wünsche ihrem neuen Band viele neugierige Leserinnen und Leser. Und wer weiß – vielleicht führt auch dieses Buch wieder jemanden auf einen ganz unerwarteten Weg.

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